spielbar-Jugendredaktion

Workshop zum Mitmachen: Theater knutscht Computerspiel

04.11.2017
Das Creative Gaming Festival PLAY17 soll zeigen, was man mit Games so alles anstellen kann. Beim Workshop „Theater knutscht Computerspiel“ verschwimmen die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt, Kunst, Teamwork, Spiel und Technik.

Was ist das denn für ein Workshop?!

In Worten können Robin und Yves von MachinaEx ihren Workshop auf der PLAY17 nur schwer erklären – denn wie beschreibt man ein Projekt, bei dem Schauspiel und Computerspiel verschmelzen?

Deswegen zeigt Robin von zu Beginn des interaktiven „Theater knutscht Computerspiel“ ein Video, das den rund 20 Teilnehmenden erklären soll, wie vergangene Projekte des Künstlerkollektivs MachinaEx aussahen und was das Ziel des Workshops ist. Doch kurz bevor das Video endet, stürzt die Technik ab und der Bildschirm in der Mitte des Raumes wird schwarz. Als das Bild wieder erscheint, ist Yves zu sehen, wie er panisch in einem Raum umherläuft und die Tür nicht öffnen kann. Über ein Tablet können die Teilnehmenden einfache Sprachbefehle an ihn senden, die dann für Yves im Raum über Lautsprecher zu hören sind, sodass er sie ausführen kann – ähnlich wie in einem Escape-Computerspiel, in dem der Hauptcharakter gesteuert wird. So können die Teilnehmenden durch Yves den Raum erkunden, Gegenstände finden oder kombinieren und am Ende die Tür öffnen.

Ein Nebenraum dient als Bühne und wird mit Kameras auf den Bildschirm übertragen.
Durch diese geschickt eingefädelte Live Performance ist nun klar, was das Ziel des Workshops ist: Es sollen ähnlich kurze „Escape the Room“-Sequenzen entstehen. Ein Teil der Anwesenden übernimmt dabei den Part der Schauspieler*innen und Regisseur*innen, der andere ist das Publikum, das das Rätsel gemeinsam lösen muss.

Ran an die Arbeit!


Unendlich viele Dinge müssen in der Planung beachtet werden: Wer ist die Hauptfigur? Was ist überhaupt die Story? Wieso sitzt sie Person im Raum fest? Welche Hilfsmittel sind dort zu finden? Wo sind die Übertragungskameras platziert – was können die Teilnehmenden also sehen, und was nicht? Was ist der Handlungsverlauf?

Nachdenken


Zuerst brainstormen die Gruppen, was ihre Figuren und ihre Story sein soll. Einmal ist es ein Atomkraftwerk-Szenario, bei dem der Brennstab überhitzt ist und schnell gekühlt werden muss, bevor das Werk in die Luft geht – doch leider ist die Tür des Behälters gesichert und der Techniker bewusstlos. Das andere Mal klemmt der Filter einer Unterwasserstation, der diese mit Sauerstoff versorgt. Eine durchgebrannte Sicherung macht es zunächst unmöglich, die Tür zur Station zu öffnen, um einen Techniker hereinzulassen. Außerdem muss die Lösung für das Rätsel stehen. Denn dann muss von hieraus rückwärts gedacht werden, wie man dorthin gelangt und welche Aufgaben eingebaut werden.

Viele Ideen, rauchende Köpfe: Zuerst müssen sich die Teilnehmenden eine Story überlegen.

Basteln und aufbauen


Sobald Story und die Handlung stehen, müssen die Gegenstände gebastelt werden, die im Spiel benötigt werden. Hier wird kreativ improvisiert: So wird aus einer Wasserflasche schon mal ein Brennstab, oder aus einem Pappkarton mit aufgemaltem Blitz bemalt zu einem Sicherungskasten. Anschließend werden diese im Raum aufgebaut.

Allerlei Krimskrams steht den Teilnehmenden zur Verfügung, um ihre Utensilien zu basteln.
Aus Pappe, Bechern und einer Wasserflasche entsteht so beispielsweise ein Brennstabbehälter.

Testen


Ein Testlauf zwischendurch zeigt Probleme oder Bugs auf, an denen nochmal gearbeitet werden muss. Sind alle Handlungsschritte logisch und nachvollziehbar? Sind alle wichtigen Elemente bei der Übertragung auf dem Bildschirm gut zu sehen?

Programmieren


Damit das Publikum beim Spielen auch die richtigen Anweisungen an die Schauspieler*innen geben kann, werden für jedes Spiel individuelle, ganz einfache Antwortmöglichkeiten programmiert. Diese können auch kombiniert werden. „Kaffee - benutzen“ bedeutet beispielsweise, dass man den Kaffee trinken soll, der Befehl „Tasse - Wasser“ direkt danach, dass man die leere Tasse dann mit Wasser befüllen muss.

Damit das Publikum am Ende das sieht, was es auch sehen soll, müssen die Gegenständen und die Kameras gut platziert werden.

Spielen


Nach 3 Stunden kreativer Höchstleistung ist es so weit: Die Ergebnisse werden präsentiert – oder vielmehr gespielt. Nicht nur die Vorbereitung, sondern auch eine gute, improvisierte Performance und die Technik sind entscheidend, ob das Spiel Spaß macht und die Lösung gefunden werden kann. Bei zu vielen Hinweisen durch die Schauspieler*innen kann es schnell langweilig werden. Andererseits kann zu wenig verbales Feedback Frust auslösen, da das Publikum dann nicht weiß, wie es weiter handeln soll. Es gehört viel Feingefühl, Lust am Experimentierten und auch etwas Mut dazu, als Laie in die Rolle des Schauspielers zu schlüpfen. Die Technik hingegen hat beispielsweise Aufgabe, die Kamera-Ansichten am richtigen Zeitpunkt zu wechseln oder bei einem simulierten Stromausfall auch mal die Technik ganz abzustellen.

Uuuuund Action!


Im Workshops klappt am Ende alles reibungslos: Beide Teams können die ihnen gestellten Rätsel lösen. Lol M. (52 Jahre) und Norina K. (25 Jahre), sind begeistert, dass in so kurzer Zeit ein ganzes Spiel entstehen konnte. Sowohl die Vorbereitung, als auch das Spielen selbst hat den Beiden total viel Spaß gemacht. Außerdem sind sie beeindruckt, wie reibungslos die Technik funktionierte und wie flexibel das Team von MachinaEx auf Spielideen eingehen konnte und die Technik entsprechend anpasste oder programmierte. Norina: „Schade, dass die vier Stunden schon um sind. Ich hätte echt gerne noch dran weitergearbeitet.“ Vielleicht sollte Theater in Zukunft öfter mal mal Computerspiele knutschen... ;)
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