spielbar-Jugendredaktion

Escape the Room auf der PLAY17

04.11.2017
Auf der PLAY17 wurde dieses Jahr ein sogenannter „Escape Room" angeboten. Darin begibt man sich auf eine Suche detektivischen Ausmaßes, um den Verbleib des verschwundenen Teenagers Mika zu erkunden. Die einzige Quelle ist sein verlassenes Zimmer, jedoch findet man in diesem Zimmer schlussendlich nicht nur so manche Fakten über Mika heraus…

Was ist eigentlich ein Escape Room?

Der Begriff „Escape Room" bezeichnet im eigentlichen Sinne ein Genre der Adventuregames im Stil der Point & Click Spiele. Auf Grundlage dieses Spielprinzips entwickelten sich seit ungefähr 2007 sogenannte Live Escape Rooms in Japan, welche mittlerweile ebenfalls in Europa große Popularität genießen. Dabei wird eine kleine Personengruppe in einen voller Rätsel steckenden Raum „eingesperrt" (natürlich nur mit deren Einverständnis) und müssen innerhalb einer vorgegebenen Zeit entfliehen. Teamarbeit und logisches Denken sind hierbei besonders gefragt.

(Achtung: Der folgende Abschnitt des Artikels enthält Spoiler zu Escape the Room auf der PLAY17.)


Teamarbeit war nun auch besonders in dem Escape Room der PLAY17 gefordert, wo es den Verbleib vom verschwundenen Teenager Mika herauszufinden galt. Innerhalb einer Stunde mussten zwei Personengruppen das verlassene Zimmer der Person nach Hinweisen durchsuchen, sowie die entsprechenden Schlüsse ziehen. Dass dies nicht gerade einfach ist, mussten die Teilnehmer schnell feststellen.

Escape Game auf PLAY17: Es gibt viele Hinweise über Mika.
Escape Game auf PLAY17: Es gibt viele Hinweise über Mika.

Es gibt viele Hinweise über Mika

So konnte man zum Beispiel herausfinden, dass Mika sich für kritische politische Themen wie Nationalsozialismus oder Salafismus interessierte. Die vorliegenden Hinweise auf das Motiv des verschwunden Teenagers führten bald zur voreiligen Schlussfolgerung von Mikas ursprünglicher Intention. Die meisten Teilnehmer dachten, dass Mika- aufgrund seiner Interessen- ein Nationalsozialist, Salafist oder einfach ein Faschist sei. Dass Mika sich vielleicht jediglich aus Neugier über diese Themen informiert hatte wurde außer Acht gelassen.
Die eigentliche Aufgabe, das Herausfinden von Mikas Aufenthaltsort, rückte dabei schnell in den Hintergrund. Um zu erkennen, wo sich der Teenager aufhält, war es nötig, Mikas Person zu durchschauen. Dabei wurden den Spielenden zum Schluss wichtige Aspekte der eigenen Persönlichkeit bewusst. In den meisten Fällen waren sich die Teilnehmer einig, dass Mika in die islamistische Szene geriet und infolge dessen verschwand. Selbst in der finalen Diskussionsrunde der Teilnehmer, wusste man nicht genau, ob Mika jetzt harmlose Intentionen oder doch von Anfang an böse Absichten hatte.

Der verborgene pädagogische Aspekt

Zum Schluss redeten wir darüber, wie man Menschen schnell vorab verurteilt. Dieses subjektive Denken verbreitet sich in unserer digitalen Welt rasend schnell, insbesondere durch die neuen Medien. Anne Kunnert und Heidi Ness, die Spielleiterinnen, erklärten sich dieses Konzept aus dieser bunt gemischten Diskussion. Gerade durch die Dynamik mehrerer, zusammenarbeitender Menschen wird dieses nicht-objektive Verhalten deutlich. Eine Person kann durch Ausstrahlung oder Sprachgewalt eine ganze Gruppe dazu beeinflussen, die Meinung des einzelnen zu übernehmen oder zu ändern. (Mehr Aussagen von den Spielleiterinnen im Interview.)
Abschließend lässt sich sagen, dass der Escape Room neben den spielerischen Aspekten ebenfalls wichtige Betrachtungsweisen auf das Geschehen in der Welt vermittelt und dabei zum Nachdenken anregt – zumindest uns. Die Gruppendynamik motiviert einen zur Mitarbeit und infolge dessen verbleibt der Zuschauer mit der Erfahrung des geschehen Events.
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Dieser Artikel wurde verfasst von:
Michelle, Christina & Burak, spielbar-Jugendredaktion

Siehe auch

Heide Ness und Anne Kuhnert in ihrem Escape-Room
spielbar-Jugendredaktion

Auch ein Escape-Room kann politisch sein

Was bestimmt unser Denken? Auf welcher Grundlage fällen wir Entscheidungen, die auch unsere Sicht auf andere Menschen betreffen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Live-Escape-Angebot „Auf Mikas Spuren“, das neben kreativen Games das Programm des diesjährigen PLAY17-Festivals bereichert. Wir haben die Macherinnen interviewt.