Deutscher Computerspielpreis

Der DCP – Eine geeignete kulturelle Förderung?

12.09.2017
Mit dem Deutschen Computerspielpreis werden seit 2009 herausragende Spiele ausgezeichnet und die Gamingbranche gefördert. Er steht für Innovation, Unterhaltung und Qualität – aber steht er auch für Kultur?

Der deutsche Computerspielpreis (DCP) wird seit 2009 von den beiden Branchenverbänden BIU (Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V.) und GAME (Bundesverband der deutschen Games-Branche e.V.) gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) verliehen. Das Ministerium ist derzeit für den DCP als Teil der „Digitalen Innovation“ zuständig.

Der Auswahlprozess der Preisträger
Computerspiele „Made in Germany“ werden in 13 Kategorien ausgezeichnet. Welches Spiel am Ende den Preis gewinnt, entscheidet eine Zwei-Stufen-Jury. Fachleute beraten zunächst in zehn Jurys über die Nominierungen und legen diese dann der Hauptjury vor. Deren 30 Mitglieder ermitteln aus den Vorschlägen dann die endgültigen Gewinner. Über den Publikumspreis wird zuvor über ein Online-Voting abgestimmt. Bewertet werden die Spiele für den DCP anhand vier Kriterien: künstlerischer bzw. kultureller Wert, pädagogischer Wert, Technik bzw. Innovation und Unterhaltung. Je nach Kategorien sind die Kriterien unterschiedlich gewichtet.
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Kultur oder Wirtschaft?
Auf der offiziellen Website wird der DCP als „das wichtigste Förderinstrument für die deutsche Gamesbranche“ betitelt. Aber um welche Förderung geht es dabei – wirtschaftliche oder kulturelle? Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, sieht in den beiden Möglichkeiten keinen Widerspruch – vielmehr bedinge das eine das andere. Die Kultur und die Innovation der Branche seien Motor für die Wirtschaft, und ein starker Standort der Branche locke wiederum kreative Köpfe nach Deutschland. Bei der diesjährigen Eröffnungsrede des DCP sagte er: „Deutschland braucht eine starke Gamesbranche, weil Games einfach Kulturgut sind. Sie gehören zu uns, sie sind Innovationstreiber und sie müssen im Zentrum der Politik stehen.“ Er betrachte das Ziel, den DCP „in die Liga der großen Medienpreise“ und damit auch Games ins Rampenlicht zu bringen, als erreicht. Für Dobrindt sind sie neben Literatur oder Kunst bereits ein fester Bestandteil der Kultur, wenn er sagt: „Wir sind das Land der Dichter, der Denker und der Gamer.“

Der Kulturwissenschaftler Christian Huberts hingegen sieht den DCP kritisch. Er begrüße es zwar, dass durch den Preis mehr öffentliche Aufmerksamkeit und Wertschätzung für Games generiert würden. Doch er fördere in erster Linie Spiele, die gesellschaftlich vorzeigbar und wirtschaftlich vielversprechend seien. Kulturelle Kriterien würden in die Bewertung mit einfließen, allerdings sei unklar, in welchem Maße dies geschehe – die Gewichtung müsse hier transparenter gemacht werden. Er glaubt, dass wirtschaftliche Kriterien, wie das Potential (also hohe Verkaufszahlen) oder technische Innovationen, stark gewichtet würden. Denn das Image des DCP falle indirekt auch auf die beteiligten Jurymitglieder zurück – und diese kämen vorwiegend aus Politik und Wirtschaft. Computerspiele seien nicht gleichzusetzen mit der großen Gaming-Industrie – auch kleine, kreative Indie-Entwickler gehören für Huberts fest zur Branche dazu. Und diese sollten ihre Ideen unabhängig von bestimmten Vorgaben entwickeln können, wie es auch in den Kulturbereichen Literatur, Kunst oder Theater der Fall sei. „Wenn es heißt, Computerspiele sind Kulturgut, dann schließt es eben auch ein, Computerspiele dort zu fördern, oder insbesondere dort zu fördern, wo sie sich nicht alleine tragen können.“
Die hohen Preisgelder des DCP sollen kleine Entwicklerfirmen fördern und drücken Wertschätzung für ihre Arbeit aus.

Christian Schiffer, Chefredakteur und Herausgeber des WASD-Magazins über Games-Kultur und selbst Mitglied in der Jury des DCP, sieht die Vergabe des Preises nicht so dramatisch wie Huberts. Auf Anfrage räumt er ein, dass manche Aspekte, wie die recht abstrakte Kategorie „Beste internationale neue Spielwelt“, durchaus diskutierbar seien. Debatten um Kriterien oder Kategorien seien aber auch bei anderen Preisformaten im kulturellen Bereich nicht unüblich. Er betont mit der öffentlichen Aufmerksamkeit und dem hohen Preisgeld von bis zu 100.000 Euro vor allem den Nutzen des DCP. Gerade für kleine Entwickler stelle er eine riesige Chance dar, da diese sich bei einer Prämierung weiter kreativ ausprobieren könnten und weniger wirtschaftlich eingeschränkt seien. Schiffer findet die Vergabe wichtig, weil das Computerspiel als Kulturgut, wie Literatur oder Radio, einen eigenen Preis – und damit gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung – verdiene. Allgemein sehe er aber, wie Christian Huberts auch, noch Ausbaufähigkeit der kulturellen Förderung und Anerkennung von Games abseits des DCP.

Eine Möglichkeit dazu sei der Einsatz und die Diskussion von Computerspielen im Unterricht. So, wie im Fach Deutsch Literatur gelesen oder in Kunst Bilder analysiert würden, könne in verschiedenen Fächern die Entwicklung von Games besprochen werden. Games-Klassiker gehören für das Jurymitglied aus kultureller Sicht auf den Lehrplan, denn „selbst wenn sie nicht bilden würden, wären sie doch immer noch gute Spiele“. Games und Bildung müssen sich aber nicht ausschließen. Gleichzeitig könnten anhand der Spiele gesellschaftliche, technische oder wirtschaftliche Prozesse verständlicher und praxisnah erklärt werden.
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Bildnachweis

[1]Screenshot Redaktion spielbar.de (Youtube Video: https://www.youtube.com/watch?time_continue=35&v=k0Aq2wzqjJc)[2]DCP Pressematerial 2016

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