Lernspiel „Fake it to make it“

Fake News spielerisch durchschauen

25.09.2017
Das kostenlose Spiel „Fake it to make it“ lässt die Spielenden Fake News produzieren. Es vermittelt dabei ein Bewusstsein für die Strategien, die Fake News zu vielen Klicks verhelfen, und sensibilisiert für den Umgang mit reißerischen Nachrichten.

Die Bundeszentrale für politische Bildung und die Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung veröffentlichen gemeinsam die deutsche Version des Computerspiels „Fake it to make it“ (2017) zum Thema Fake News kostenlos im Internet.

Spielverlauf:
Die Spielenden sind bei „Fake it to make it“ verantwortlich für die Entstehung und die Verbreitung von reißerischen und falschen Nachrichten. Am Anfang wird ein Nachrichtenportal erstellt. Dieses wird mit fremden Artikeln (natürlich, ohne sie vorher zu prüfen) und eigenen gefüttert. Diese ‚News‘ werden mit gekauften Profilen in Gruppen auf sozialen Plattformen geteilt, je nachdem, für welche Themen sich die Gruppen interessieren. Wie im echten Leben ist alles dabei: Tierliebhaber, Elterngruppen, Lifestyle- und Ernährungsbewusste, aber auch politisch Interessierte. Es sollen viele Klicks generiert werden, um durch geschaltete Werbung auf der eigenen Website Einnahmen zu bekommen. Es müssen also möglichst interessante, glaubhafte oder dramatische Nachrichten in Umlauf gebracht werden – die Richtigkeit der Meldungen spielt keine Rolle. Die Reaktionen auf Posts werden direkt als Kommentare angezeigt. Eine Statistik über Aufrufe, Likes, Shares, und Einnahmen ist das ganze Spiel über eingeblendet. Die einzigen Erschwernisse sind Kosten, zum Beispiel für die Domain der Website oder Nutzerprofile mit großem Netzwerk, und dass die Fake News als solche enttarnt werden könnten.
Nach dem Verbreiten eigener Fake News gibt es in Form von User-Kommentaren und Statistiken (Likes, Shares, Umsatz) eine direkte Rückmeldung, ob der Beitrag erfolgreich war.

Spielerisch mehr über die Gefahren von Fake News lernen:
Bei „Fake it to make it“ schlüpft man in die Rolle des „Täters“, der Fake News verbreitet. Der Spielende ist dadurch motiviert, sich mit erfolgversprechenden Strategien zur Erstellung und Verbreitung von Falschmeldungen auseinanderzusetzen. Auch mögliche Gründe, diese überhaupt zu verbreiten, werden erkennbar. So gibt es neben dem finanziellen Gewinn zwei fiktive politische Richtungen (Orange und Lila). Skandalmeldungen oder Verschwörungstheorien über eine Partei schaffen große Aufmerksamkeit bei Anhängern der anderen und führen zu immer mehr Misstrauen und Ablehnung. Durch gezielte Schlagworte, die beim Erstellen verwendet werden, kann regelrechte Hetze gegen Einzelpersonen oder Gruppen betrieben werden.
Wenn wir zu offensichtliche Falschmeldungen veröffentlichen, leidet unsere Vertrauenswürdigkeit.

Die Bundeszentrale für politische Bildung und die Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung sehen ein hohes Risiko, das von Fake News ausgeht. Im Spezial der bpb zum Thema Fake News heißt es: „Fake News werden auch zur politischen Hetze eingesetzt. Falsche Behauptungen, erfundene Skandale sollen die Glaubwürdigkeit von Politikerinnen und Politikern erschüttern. In einem Wahlkampf ist das besonders gefährlich. Denn im Wahlkampf wollen die Menschen - wie sonst auch - ernsthaft und korrekt informiert werden. Politiker sind also darauf angewiesen, dass die Menschen ihnen glauben. Mit Fake News aber werden falsche Dinge behauptet. Es soll Stimmung gemacht werden. Menschen werden manipuliert.“ Die Entwicklerin Amanda Warner möchte mit dem Spiel also niemanden tatsächlich motivieren, Fake News zu verbreiten. Sie erhoffe sich durch das Spiel vielmehr eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Nachrichtenrezeption und die Fähigkeit, das Spiel mit den falschen Nachrichten zu durchschauen.
Neutrale Themen haben ein graues Schild – besser lässt sich aber mit Hetze gegen die Parteien (Orange und Lila Schilder) verdienen.

Auf einer integrierten Infoseite, die jederzeit aufgerufen werden kann, können Interessierte deswegen mehr über Fake News erfahren. Sie bekommen Tipps, wie diese im Alltag erkennbar sind, welche Überprüfungsmöglichkeiten es gibt, oder können der Entwicklerin Feedback geben.

Für wen ist das Spiel geeignet?
Das Spiel hat keine Altersbeschränkung, richtet sich aber aufgrund seines Aufbaus und der Thematik an Jugendliche ab ca. 12 Jahren. Auch für Erwachsene ist es geeignet. Die Spielzeit beträgt ca. 30-60 Minuten. Nachdem das Ziel erreicht ist, kann aber auch weitergespielt werden.

Zur offiziellen Version des Spiels.
Mehr zum Thema Fake News bietet das Spezial der bpb.
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Dieser Artikel wurde verfasst von:
Carolina Bader

Bildnachweis

[1]https://pixabay.com/de/fake-fake-news-medien-laptop-1903823/[2]Screenshot Redaktion spielbar.de[3]Screenshot Redaktion spielbar.de[4]Screenshor redaktion spielbar.de

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