Games und Übergewicht – Chance oder Risikofaktor?

30.08.2017
Games haben den Ruf, teilschuld an der steigenden Zahl übergewichtiger Kinder zu haben. Gerade „Serious Games“ oder „Bewegungsspiele“ haben jedoch viel Potenzial, Präventionsprogramme in Schulen und Familien auf spielerische Weise zu ergänzen.

In einer Studie, die im Mai 2017 im Fachmagazin „European Eating Disorders Review“ der britischen Non-Profit-Organisation BEAT (Beating eating Disorders) veröffentlicht wurde, ist der Zusammenhang von Übergewicht im Alter von 7-15 Jahren und Games untersucht worden. Das Ziel war dabei, herauszufinden, ob Computerspiele einen erhöhten Risikofaktor darstellen oder ob sie als Präventionsmaßnahme genutzt werden können. Dafür wurden 64 heterogene Studienergebnisse der letzten 15 Jahre analysiert. Vor allem „Serious Games“ und „Bewegungsspiele“ seien mehr Chance als Risiko, sofern ein größeres Rahmenkonzept vorliegt.

In Präventionsprogrammen können Games spielerisch Wissen zum Thema Gesundheit vermitteln.

Laut Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) sind aktuell 15% aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig, 34% sitzen länger als vier Stunden täglich vor Bildschirmmedien. Es seien aber nicht die Computerspiele, sondern vor allem das Fernsehen, das ein erhöhtes Risiko darstelle, da dabei gleichzeitig fettige, zuckerhaltige oder salzige Speisen konsumiert würden. Computerspiele könnten stattdessen helfen, Übergewicht vorzubeugen; beispielsweise könnten Serious Games spielerisch Wissen rund um das Thema Gesundheit und Ernährung vermitteln und Bewegungsspiele zur Bewegung motivieren. Neue Medien würden schnell das Interesse der Kinder wecken, Spaß machen und Hemmschwellen senken. Auch in Schulen könne man den Kindern den Zugang zum Thema so vereinfachen. Betont wird, dass das Spielen allein nur einen kleinen Effekt habe. Die Games müssten in größere Rahmenkonzepte wie Gewichtsmanagement- oder Präventionsprogramme eingebettet werden.

Die Studie stellt fest, dass weder psychosoziale Faktoren wie Stressmanagement, noch die familiäre Unterstützung in den analysierten Studien berücksichtigt wurden. Allgemein sollten Eltern ihren Kindern beim Thema Gesundheit ein Vorbild sein. Sowohl die Kinder, als auch die Eltern, müssten an Handlungs- oder Präventionsprogrammen Interesse zeigen, wenn diese erfolgreich sein sollen.
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