Deutscher Computerspielpreis 2017

„Wir sind Kulturschaffende, wir sind politisch!“

27.04.2017
Die neunte Auflage des Deutschen Computerspielpreises gab vielen bislang weniger bekannten Spielen in 14 Preiskategorien eine große Bühne. "Portal Knights" ist bestes deutsches Spiel 2017. Die Jury ehrte zudem das Computerspielemuseum. Die jungen Spielemacherinnen und –macher gaben sich derweil politisch.

Das Action-Rollenspiel besteche durch eine kunterbunte und clevere Mischung aus bekannten Spielelementen, die Klein und Groß überzeuge. So die Jury über „Portal Knights“ von Keen Games, das insgesamt drei Mal nominiert war und dessen sichtlich überraschtes Team schließlich den Preis für das „Beste Deutsche Spiel“ erhielt. „Portal Knights“ erinnert an den digitalen Sandkasten Minecraft, kombiniert diesen jedoch mit Rollenspielelementen. Die Ehrung war der Höhepunkt der zweistündigen Gala, bei der viele bislang weniger bekannten Spiele und Studios eine Bühne bekamen.


„Portal Knights“ erinnert optisch an Minecraft.

Der Deutsche Computerspielpreis, 2017 in seiner neunten Auflage, prämiert Computerspiele nach Aspekten wie Qualität, Innovationsgehalt, Spielspaß sowie kulturellem und pädagogischem Anspruch. Die Jury aus Spiele-Fachleuten, Prominenten und Menschen aus der Politik prüfte mehr als 450 eingereichte Spiele und nominierte 36 von ihnen in 12 Kategorien. Parallel dazu lief eine Onlineabstimmung für den Publikumspreis, an der alle teilnehmen konnten.

Innovative Spiele, politischer Anspruch


Schon mit ihrer Vorauswahl setzte die Jury ein erstes Ausrufezeichen. Die Liste der Nominierten kam ohne übliche Verdächtige wie Anno-Strategiespiele und Daedalic-Adventures aus. Die Jury zeichnete stattdessen viele kleine Teams für ihre innovativen Ideen aus. Bestes Kinderspiel etwa wurde das märchenhafte „She Remembered Caterpillars“, eine Erzählung über Liebe, Trauer und Akzeptanz. Bestes Jugendspiel wurde „Code 7 – Episode 0: Allocation“, ein Crowd-finanziertes Episodenspiel, das mit Überwachung und künstlicher Intelligenz aktuelle gesellschaftliche Themen aufgreift.


In „She Remembered Caterpillars“ geht es auf verspielter Ebene um gemeinsames Zusammenleben.

Die Serious Games überzeugten die Jury 2017 so sehr, dass Sie gleich zwei Spiele auszeichneten: „Orwell“ sensibilisiert für Überwachung im Zusammenhang mit Social Media, „Debugger 3.16: Hack’n’Run“ führt spielerisch in die objektorientierte Programmierung ein. Damit wurden weitere kleine Indie-Studios geehrt, ebenso wie beim Preis für das „Beste Mobile Spiel“. Dieser ging an den Arcade-Shooter „Glitchskier“, bei dem jeder Pixel, jeder Effekt und die komplette Mechanik sitze, so die Jury.


Das Spiel „Orwell“ thematisiert ganz im Sinne des gleichnamigen Schriftstellers Überwachung.

Vielen diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträgern gemein ist der Anspruch, politische Spiele zu machen. „Glitchskier“-Entwickler Shelly Alon betonte dies in seinen Dankesworten: „Wir sind Kulturschaffende, wir sind politisch!“. Mit seinem preisgekrönten Spiel zeigt es sich selbst nicht zufrieden, da es diesem Anspruch noch nicht gerecht werde. Solche Aussagen sind erfrischend, auch nach den einführenden Redebeiträgen aus der Politik. Sowohl Bundesdigitalminister Alexander Dobrindt als auch der Berliner Staatsekretär für Medien Björn Böhning hoben die wirtschaftliche Bedeutung der Gamesbranche als Innovationsmotor und Wachstumsmarkt hervor. Sie gingen nicht auf die kulturelle Bedeutung von Computerspielen ein.

Für einen kleiner Aufreger sorgte noch die Vergabe in der Kategorie „Bestes Gamedesign“ an „Shadow Tactics: Blades of the Shogun“. Das Entwicklerstudio Mimimi Productions nahm den Preis auf der Bühne nicht an, ohne dies bislang weiter zu begründen. Der Deutsche Computerspielepreis führte in seiner anschließenden Pressemeldung das Studio jedoch nach wie vor als Preisträger.

Ein letzter Akzent war der Jury vorbehalten, als sie das Computerspielemuseum in Berlin mit ihrem Sonderpreis bedachte. Es mache auf eine einzigartige Weise digitale Spielekultur erlebbar und bilde damit seit genau 20 Jahren eine Begegnungsstätte für Jung und Alt, so die Begründung. Insgesamt zeichnete die diesjährige Verleihung des Deutschen Computerspielpreises damit ein vielseitiges Bild der deutschen Gameslandschaft. Vor allem die vielen Ideen junger Menschen machen Lust auf mehr.

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Computerspielpreises 2017


1. Bestes Deutsches Spiel (dotiert mit 110.000 Euro): Portal Knights (Keen Games, Frankfurt am Main / 505 Games, Mailand)

2. Bestes Nachwuchskonzept (dotiert mit insg. 90.000 Euro, 1. Platz 45.000 Euro, 2. Platz 30.000 Euro, 3. Platz 15.000 Euro)
  • DYO (Fabian Golz, Oliver Langkowski, Josia Roncancio, Ragnar Thomsen, Maximilian Warsinke (HTW Berlin))
  • Isometric Epilepsy (György János Droste, Juan Camilo Orjuela Lozano, Bálint Márk, Utz Stauder, (TH Köln))
  • ViSP – Virtual Space Port (Timo Falcke, Sandro Heuberger, Ngoc Hoang Tran (HTW Berlin))

3. Bestes Kinderspiel (dotiert mit 75.000 Euro): She Remembered Caterpillars (Jumpsuit Entertainment, Kassel)

4. Bestes Jugendspiel (dotiert mit 75.000 Euro): Code 7 – Episode 0: Allocation (Goodwolf Studio, Bonn)

5. Beste Innovation (dotiert mit 40.000 Euro): VR Coaster Rides und Coastiality App (VR Coaster, Kaiserslautern)

6. Beste Inszenierung (dotiert mit 40.000 Euro): Robinson: The Journey (Crytek, Frankfurt am Main)

7. Bestes Serious Game (dotiert mit 40.000 Euro)
  • Debugger 3.16: Hack’n‘Run (Spiderwork Games, Vechta)
  • Orwell (Osmotic Studios, Hamburg)
8. Bestes Mobiles Spiel (dotiert mit 40.000 Euro): Glitchskier (Shelly Alon, Hamburg)

9. Bestes Gamedesign (dotiert mit 40.000 Euro): Shadow Tactics: Blades of the Shogun (Mimimi Productions, München / Daedalic Entertainment, Hamburg)

10. Bestes Internationales Spiel (undotiert): The Legend of Zelda: Breath of the Wild (Nintendo)

11. Bestes Internationales Multiplayer-Spiel (undotiert): Overwatch (Activision Blizzard)

12. Beste Internationale neue Spielewelt (undotiert): Uncharted 4: A Thief’s End (Sony Interactive Entertainment)

13. Publikumspreis: The Witcher 3: Blood and Wine

14. Sonderpreis der Jury: Computerspielemuseum, Berlin

Über den Deutschen Computerspielpreis


Als gemeinsame Initiative der Wirtschaft und des Deutschen Bundestags wird der Deutsche Computerspielpreis (DCP) seit 2009 verliehen. Die beiden Branchenverbände BIU – Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. und GAME Bundesverband der deutschen Games-Branche e.V. fördern gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die Entwicklung innovativer Computer- und Videospiele „Made in Germany“. Unterstützt werden sie dabei von der Stiftung Digitale Spielekultur.
Tobias Miller
Dieser Artikel wurde verfasst von:

Bildnachweis

[1]spielbar.de