Und der Fan sagte: „Es werde Spiel!“

Um eigene Ideen in Computerspielen umzusetzen bedarf es dank aktueller Software wenig Grundwissen. Doch manche Gamer gehen andere Wege: In jahrelanger, professioneller Arbeit lassen sie Games-Klassiker im neuen Gewand wieder aufleben oder erstellen eigenständige Fortsetzungen.
Ein einsamer Kundschafter und ein Planwagen mit enthusiastischen Siedlern stehen auf unbekanntem Land. Schwarzer Nebel lässt sie in der isometrischen Ansicht nur zwei der benachbarten Kästchen-Felder sehen. Da ist ein Gebirge, dort Fluss, der sich durch einen Wald entlang schlängelt und im Meer (zwei Kästchen weiter links) tummeln sich Fische…

Bild: Eine typische Startsituation bei FreeCiv
Was hier so aussieht wie das Kultspiel Civilisationist „FreeCiv“ – ein Fangame. Die Ähnlichkeit zum zweiten Teil von Sid Meiers Strategie-Klassiker ist bestechend – nur das Fenster, in dem das ganze ausgeführt wird und der Programmstart verraten, dass dieses Spiel eigentlich eine Eigenkreation von Gamern für Gamer ist.

Fans sind kreativ…

Computerspiele inspirieren Menschen, kreativ tätig zu werden. Neben Geschichten (Fan-Fiction), Videos/Filmen (z.B. Machinima ), In-Game-Photographie oder Zeichnungen gibt es auch Fans, die ihre eigenen Spiele produzieren. Die Faszination geliebte Klassiker in neuem grafischen Gewand wieder aufleben zu lassen oder eigene Ideen und Visionen in Form eines Spiels zu gießen und mit anderen zu teilen, lässt sie über sich hinaus wachsen, Neues lernen und viel Zeit in ihr Spiel investieren. Dabei nutzen sie allerdings keine vorgefertigte Erstellungssoftware, sondern entwickeln das Spiel von Grund auf komplett in Eigenregie.

… und wagen sich dabei auch an große Projekte

Manche Spiele entstehen als Fortsetzung von eingestellten Spielreihen, andere von enttäuschten Fans, um ein besseres Spiel abzuliefern, als es die Hersteller selbst getan haben. Teilweise geschieht das in Form von kleineren Online-Games aber eben auch als eigenständige, auf dem heimischen PC installierbare Version. Diese gelten aufgrund ihres Umfangs, des notwendigen Know-hows und des privaten, oft jahrelangen Engagements zu Recht als am (heraus-)forderndsten. Und die Ergebnisse können es grafisch und vom Umfang her durchaus mit ihren kommerziellen Pendants aufnehmen

Hier zwei aktuelle Spiele, die diese Tatsache gut widerspiegeln:















Bild: Die Galaxieübersicht in Birth of the Empires
Bild: Der Kampf gegen Aliens bei UFO: AI /
© http://ufoai.org

Birth of the Empires (BotE) war ursprünglich als Nachfolger des Runden-Strategiespiels Birth of the Federation im Star Trek-Universum geplant, entwickelte sich aber in den letzten Jahren zu einem inhaltlich unabhängigen Spiel mit zahlreichen neuen Ansätzen und Spielmechanismen. Auch BotE wird aktuell weiter entwickelt, ist allerdings noch im Beta -Stadium.

X-COM und seine Nachfolger prägten in den 90er Jahren die Computerspielwelt. Die Macher von UFO: Alien Invasion haben es sich zur Aufgabe gemacht den Klassiker in aktuellem Grafikgewand wieder auferstehen zu lassen. Ob das Projekt durch das Erscheinen des neuen (offiziellen) X-COM-Nachfolgers beeinträchtigt wird, bleibt abzuwarten.

 

Der harte Weg zum eigenen Spiel

Doch selbstverständlich fällt ein fertiges Spiel nicht einfach vom Himmel: Neben der Programmierarbeit müssen Grafik und Sound entwickelt und zahlreiche Texte verfasst werden. Wenn das Spiel, wie FreeCiv, in mehreren Sprachen erscheint, fällt auch Übersetzungsarbeit an.

Weitere Stolpersteine können juristische Fragen sein: Grade wenn das Fangame bekannte Orte oder Charaktere von anderen Spielen oder Filmen entlehnt, kann es zu Lizenzstreitigkeiten kommen. Auch Grafiken und Sounds dürfen nicht ohne weiteres weiterverwendet werden. Zwar gibt es eine Grauzone, in der solche „kleinen“ Spiele entwickelt werden, ohne rechtliche Absicherung sind die Fans den Publishern oder Filmstudios jedoch im Zweifelsfall ausgeliefert. Zwar tolerieren viele der Entwicklerstudios solche Fanprodukte, da es ebenso Aufmerksamkeit auf die eigenen Produkte lenkt, doch sollte man sich vor Augen führen, dass sich die Fans hier oft, (urheber-)rechtlich gesehen, auf illegalem Terrain bewegen.

Jedes Fangame hat mit eigenen Herausforderungen und Problemen zu kämpfen. Die Gamer-Community bieten hier oft eine Menge kreatives Potenzial, um großartige Spiele zu erschaffen – es bedarf allerdings viel Willenskraft und persönliches Engagement, um solch eine Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

Weiterführende Links

In-Game-Photographie

Gamedesign ist kinderleicht

Weblinks

Hauptseite von FreeCiv

Hauptseite von Birth of the Empires

Hauptseite von UFO: Alien Invasion
Christian Knop
Dieser Artikel wurde verfasst von: